Der „Dessert-Slam“ ist vorbei. Roger Federer und Elena Vesnina heißen die strahlenden Sieger in diesem Jahr. PLATZGEFLÜSTER fragt sich, was vom Spitzentennis aus der kalifornischen Wüste hängen bleiben wird?
Federer ist derzeit der Beste!
Er hat es wieder getan. Nach seinem überragenden Australian Open Triumph zu Beginn des Jahres musste sich Federer in Dubai überraschend früh im Achtelfinale dem Russen Jewgeni Donskoi geschlagen geben. Kritiker zweifelten bereits ob Federer seinen Australian Open Erfolg in der weiteren Saison 2017 bestätigen würde. Doch nur wenig später präsentiert sich der Schweizer in der kalifornischen Wüste in absoluter Topform. Im sogenannten „Quarter of death“, der vielleicht härtesten Auslosung in der Geschichte der ATP, marschierte Federer nur so von Runde zu Runde. Seinen einstigen Angstgegner Nadal überrollte Federer im Achtelfinale mit 6:2 6:3. Bis zum Finale verlor der Schweizer nicht einmal seinen Aufschlag und blieb im gesamten Turnierverlauf ohne Satzverlust. Mit seinem präzisen Aufschlag und der „neuen“ durchgezogenen einhändigen Rückhand dominierte der „Maestro“ seine Gegner in Indian Wells. Bei der Frage wer derzeit der beste Spieler auf der Tour ist, führt momentan kein Weg an Federer vorbei. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Wahnsinn! Wir sind gespannt, wie die Comeback-Story weitergeht.
Djokovic und Murray suchen weiter nach ihrer Form
Im letzten Jahr waren die beiden Freunde Murray und Djokovic die dominanten Spieler der Tour, die es zu schlagen galt. Doch trotz jeweils einem Turniersieg im Jahr 2017 (Djokovic in Doha, Murray in Dubai), läuft es noch nicht so richtig rund. Bei seinem Lieblingsturnier den Australian Open schied Djokovic völlig überraschend bereits in der zweiten Runde aus. Auch in Indian Wells präsentierte sich der Serbe noch nicht mit der bekannten Konstanz aus der Vergangenheit. Seinem starken Sieg gegen Del Potro folgte ein mäßiger Auftritt und die nächste Niederlage gegen den jungen Australier Nick Kyrgios. Bereits in der Vorwoche in Acapulco verlor Djokovic gegen Kyrgios. Auch die Nummer 1 der Welt Andy Murray spielt bisher eine mäßig gute Saison. In Melbourne war gegen den deutschen Mischa Zverev im Achtelfinale Schluss und in Indian Wells verlor der Schotte seine Auftaktpartie gegen den Kanadier Vasen Pospisil. Beide Spieler drängten Murray mit vielen Netzangriffen konsequent in die Defensive. Es scheint als hätte Murray gegen Serve&Volley Spieler momentan nicht das richtige Rezept. Djokovic und Murray haben für das Masters in Miami aufgrund einer Ellbogenverletzung abgesagt und gönnen ihrem Körper eine Pause. Die Saison 2017 ist noch lang und wir sind uns sicher, dass Murray und Djokovic noch ihre Erfolge feiern werden.
Kyrgios hat das Spiel um große Titel zu gewinnen
Auf und neben dem Platz sorgt Nick Kyrgios immer wieder für Schlagzeilen. Er polarisiert. Auf der einen Seite ist er ein begnadeter Tennisspieler. Auf der anderen Seite leistete sich der 21-Jährige schon mehrere Fehltritte. In Indian Wells präsentierte sich der Youngster von seiner besseren Seite und dominierte mit seinem präzisen Aufschlag und seiner Power-Vorhand. Zudem bewegt sich der 1,93m große Australier trotz seiner Größe unglaublich gut auf dem Court. Gegen Alexander Zverev und Novak Djokovic gewann Kyrgios ohne Satzverlust und zog hochverdient ins Viertelfinale gegen Federer ein. Nichts schien das Riesentalent zu stoppen, doch dann musste er sich einer Lebensmittelvergiftung beugen und seine Viertelfinalpartie aufgeben. Schade, ein Duell gegen Federer hätten wir zu gerne gesehen. Wir hoffen, das Kyrgios rechtzeitig zu den Miami Open wieder fit ist und weiter für positive Schlagzeilen sorgt.
Deutsche Bilanz ist ausbaufähig
Schon vor Turnierbeginn stand fest, dass Angelique Kerber von Serena Williams Absage profitiert und wieder die Nummer 1 der Welt werden würde. Seit Kerbers unglaublichem Jahr 2016 und den beeindruckenden Leistungen der Zverev-Brüder zu Beginn des Jahres in Melbourne hat sich die Erwartungshaltung als deutscher Tennisfan verschoben. Doch in Kalifornien wurden diese Erwartungen nicht bestätigt. Einzig Angelique Kerber zog aus deutscher Sicht ins Achtelfinale ein und verlor gegen die spätere Turniersiegerin Elena Vesnina in zwei Sätzen. Auch wenn sich Kerber in besserer Form als zu Jahresbeginn präsentierte, fehlt ihr immer noch die Konstanz gerade in den entscheidenden Machsituationen, die sie im letzten Jahr so erfolgreich gemacht hat. Bei den Herren kam sogar kein deutscher Spieler über die dritte Runde hinaus. Auch wenn die Zverevs und Kohlschreiber starke Gegner hatten, erhoffte man sich als deutscher Fan durchaus mehr. In Miami wartet sofort die nächste Gelegenheit für Kerber, Zverevs & Co. Wir sind gespannt und drücken weiter die Daumen.
Die WTA-Konkurrenz scheint ausgeglichen wie lange nicht
Nach der Absage von Serena Williams war das Damenfeld in Indian Wells offen wie lange nicht zuvor. Das Niveau auf der WTA-Tour ist in diesem Jahr nochmal spürbar zusammengerückt und die Tagesform wird dadurch immer bedeutender. Eine Überraschungssiegerin ist damit wohl die logische Konsequenz. Vor dem Turnier hätten wohl nur die Wenigsten auf die 31-Jährige Russin Elena Vesnina gesetzt, die eher für ihre Doppeltitel (unter anderem Olympisches Gold 2016) bekannt ist. Aber Vesnina verdiente sich mit ihrer aggressiven Spielweise ihren Erfolg und bewies im spannenden Finale gegen ihre Landsfrau Svetlana Kutznetsova Nervenstärke. Am Ende stand ein 6:7(6) 7:5 6:4 Erfolg für Vesnina. In Miami werden die Karten wieder neu gemischt und Serena Williams ist immer noch nicht wieder dabei. Mal sehen, wer in Florida überraschen wird.
