PLATZGEFLÜSTER checkt für Euch die Fed Cup Partie in Stuttgart und hat Dieter Kindlmann, den ehemaligen Co-Trainer Sharapovas, gefragt, worauf es am Wochenende ankommen wird.
Es ist ein richtungsweisendes Spiel für das deutsche Damentennis. Nach dem Finaleinzug im Jahr 2014 muss das deutsche Fed Cup Team, wie im letzten Jahr, auch 2017 wieder in die Relegation, um einen möglichen Abstieg aus der Weltgruppe zu verhindern. Dieses Mal kommt es dabei für Kerber&Co zum Showdown gegen die Ukraine. Aufgrund des Heimrechts konnte Deutschland den Spielort wählen und entschied sich dafür, die Begegnung auf Sand in der Porsche Arena auszutragen. Die richtige Wahl aus der Sicht des Experten Dieter Kindlmann für den es „ein Riesenvorteil ist, Zuhause auf Sand zu spielen – in der hoffentlich ausverkauften Arena in Stuttgart“, die Platz für 4500 Zuschauer bietet. Ein gutes Omen birgt auch der Blick in die Historie. In 50 Jahren Fed Cup Geschichte gewann das Deutsche Team elf seiner bisher sechzehn Relegationsbegegnungen. Auch das einzige Fed Cup-Duell gegen die Ukraine konnte Deutschland in der Relegation 2004 mit 3:2 gewinnen.
Hoffnungen ruhen auf Kerber
Ohne Kerber erlebte die Teamchefin Barbara Rittner mit der deutschen Mannschaft im Februar auf Hawaii gegen die USA ein regelrechtes Debakel. Nach einem Wochenende mit Hymnenpanne, vielen Regenunterbrechungen und bitteren Niederlagen musste sich Team Deutschland am Ende mit einem 0:5 klar geschlagen geben. Mit der deutschen Nummer eins, Angelique Kerber, soll zuhause gegen die Ukraine alles ganz anders werden. Auch wenn Kerber in der diesjährigen Saison noch nicht komplett überzeugen konnte, ruhen große Hoffnungen auf der 29-Jährigen. Zudem bietet die Fed Cup Partie hervorragende Vorraussetzungen für Kerber wieder an die starken Leistungen aus dem Jahr 2016 anzuknüpfen und neuen Schwung für die restliche Saison mitzunehmen. Die Teamchemie stimmt und in Stuttgart konnte Kerber auf dem Sand der Porsche Arena schon bei ihren zwei Turniersiegen 2015 und 2016 überzeugen. Auch Experte Dieter Kindlmann sieht den Fed Cup für Kerber als Chance für einen Aufwärtstrend: „so Erfolgserlebnisse“ beim Fed Cup „können das Ganze ändern, aber es ist natürlich auch kein Selbstläufer.“ Ebenfalls nominiert sind Julia Görges, Carina Witthöft und Laura Siegemund. Nach einem schwierigen Saisonstart zeigte die Formkurve bei Siegemund mit ihren Siegen über Venus Williams und Lucie Safarova in Charleston wieder nach oben. Und Stuttgart liegt auch besonders der gebürtigen Schwäbin, die im letzten Jahr Halep und Radwanska besiegte und ins Finale des Turniers einzog. Vielleicht kann sich die lebensfrohe Siegemund auch an diesem Wochenende vor heimischem Publikum zu Höchstleistungen pushen. Zuletzt hatte Görges mit Handgelenksproblemen zu kämpfen und musste beim WTA-Turnier in Biel verletzt aufgeben, jedoch ist sie rechtzeitig wieder beschwerdefrei und topfit geworden. Auch in einem möglicherweise entscheidenden Doppel scheint Deutschland mit den Doppelspezialistinnen Görges und Siegemund gut aufgestellt zu sein.
Mehr als nur Svitolina
Das ukrainische Team wird angeführt von der Nummer dreizehn der Welt Elina Svitolina. Nach einem starken Saisonstart und zwei Turniersiegen in Dubai und Taipeh ging die Formkurve der 22-Jährigen zuletzt wieder etwas nach unten. Doch Svitolina ist eine gefährliche Spielerin, die sich sehr gut bewegt und fast jeden Ball zurückschlägt. Bei beiden diesjährigen Duellen gegen Kerber in Brisbane und Dubai konnte Svitolina triumphieren. Auch die ukrainische Nummer zwei Lesia Tsurenko konnte in dieser Saison bereits überzeugen und sicherte sich beim WTA-Turnier im mexikanischen Acapulco den Titel. Im Jahr 2017 spielte sie bereits gegen Siegemund und Kerber und musste sich jeweils erst in einem entscheidenen dritten Satz geschlagen geben. Im Doppel stehen der Ukraine mit Olga Savchuk und Nadiia Kichenok zwei echte Spezialistinnen bereit.
Favorit ohne Garantie
Mit Kerber im Team und der heimischen Kulisse als Unterstützung geht Deutschland als Favorit in die Begegnung gegen die Ukraine. Dennoch gibt es keine Garantie auf einen Sieg und niemand sollte das ukrainische Team um Svitolina unterschätzen. Für das Wochenende könnte aus Sicht des Experten Kindlmann der Untergrund zu einem wichtigen Faktor werden, da „Sand sicherlich nicht Svitolinas Lieblingsbelag ist“. Doch am Ende wird es „auf die Tagesform ankommen“. Es wartet ein spannendes Tenniswochenende.
Alle Matches überträgt der Livesport-Streamingdienst DAZN. Außerdem überträgt der SWR am Samstag von 13.45 Uhr bis 16.00 Uhr sowie am Sonntag von 10.45 Uhr bis 13.00 Uhr live aus der Porsche Arena.
