In Auckland gelingt Julia Görges ihr dritter Turniersieg in Serie. Die Deutsche ist damit derzeit die Spielerin der Stunde. Wird 2018 das Jahr der Julia Görges?
Das Tennisjahr 2017 hätte für Görges nicht besser enden können. Nach über sechs Jahren konnte sie wieder ein Turnier auf der WTA-Tour gewinnen. Mit ihren beiden Turniersiegen beim Hallenturnier in Moskau und beim Jahresabschluss im chinesischen Zhuhai kletterte Görges in der Weltrangliste bis auf Platz 14. Diese Position bedeutet nicht nur ihr neues persönliches Career High, sondern Görges ist damit auch die derzeit beste deutsche Tennisspielerin. Anstatt sich auf diesen Erfolgen auszuruhen oder nach der längeren Pause einen Leistungseinbruch zu erleiden, schwimmt Görges weiterhin auf ihrer Erfolgswelle. Bei ihrem ersten Turnier der Saison in Aukland knüpfte die gebürtige Bad Oldesloerin nahtlos an ihre starken Leistungen aus der Vorsaison an. Auf dem Weg zum Titel muss die 29-jährige nur einen Satzverlust in der ersten Runde hinnehmen. Mit ihrem starken Service und ihren schnellen Grundschlägen dominiert die Deutsche ihre Gegnerinnen und ist nun seit 14 Einzelspielen ungeschlagen. Auch im Finale gegen die aktuelle Nummer 3 der Welt, Caroline Wozniacki, gibt Görges mit ihrem druckvollen Spiel von Beginn den Ton an. Nach 1:33h verwandelt Görges ihren ersten Matchball und sichert sich bei ihrer neunten Teilnahme erstmals den Titel in Auckland. Dadurch springt die Deutsche nun in der Weltrangliste bis auf Platz 12. Nach dem Titelgewinn zeigt sich Görges glücklich: „Ich freue mich, dass ich 2018 gleich wieder an meine guten Leistungen anknüpfen konnte. Das macht mich stolz und glücklich. So ein Sieg kurz vor den Australian Open ist einfach fantastisch.“
Radikale Entscheidung als Grundstein des Erfolges
Den Grundstein für ihre derzeitige Erfolgswelle legte Görges mit ihrer radikalen Entscheidung sich Ende 2015 von ihrem Trainer Sascha Nessel zu trennen und ihr Trainerteam mit Michael Geserer und Florian Zitzelsberger neu zu besetzen. Damit verbunden war auch ein Wohnortwechsel aus dem Norden ins bayerische Regensburg. Mit ihrem neuem Team arbeitet Görges akribisch an ihrem Spiel. Neben technischen und physischen Aspekten wurde auch an der mentalen Stärke intensiv trainiert. Nachdem der Erfolg zunächst ausblieb – in der Saison 2016 verfehlte Görges noch ihr Ziel, den Sprung in die Top 20 – scheint sich das harte Training nun auszuzahlen. Görges kann mit ihrem guten Aufschlag und ihrer druckvollen Vorhand, die zu einer der schnellsten auf der Damentour zählt, das Geschehen auf dem Court diktieren. Doch während Görges in der Vergangenheit zu oft einfache Fehler unterliefen, baut sie derzeit konzentriert und taktisch umsichtig ihre Punkte auf. Görges versteht es momentan in den richtigen Momenten das Tempo mit ihrer Vorhand anzuziehen. Auch mental strahlt Görges derzeit diese Frische aus, die Höchstleistungen befördert. Nach unnötigen Fehlern wird kaum lamentiert, sich dafür nach wichtigen Punktgewinnen umso mehr gepusht. Die 29-jährige strotzt vor Selbstvertrauen und ihre Gegnerinnen bekommen dies zu spüren.
Erstes Viertelfinale bei einem Grand Slam scheint möglich
Die große Frage die sich nun stellt ist: Kann Görges ihre Gala-Form auch bei den Australian Open abrufen? Bisher kam Görges bei einem Grand Slam noch nie über das Achtelfinale hinaus. Vieles spricht dafür, dass Görges in diesem Jahr in ihrem Lieblingsreiseort Australien erstmals ein Viertelfinale eines Grand Slams erreichen kann. Wenn die Deutsche ihr volles Potenzial abruft, könnte sogar noch mehr möglich sein. Dennoch sollte Vorsicht geboten sein, denn Görges musste wegen leichter Knieprobleme ihren Turnierstart in Sydney absagen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um nichts für das erste Grand Slam Turnier des Jahres zu riskieren. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass auf der WTA-Tour derzeit keine Spielerin auf Görges treffen möchte. In einer Woche am 15. Januar starten die Australian Open in Melbourne und man darf gespannt sein, wie sich Görges dort präsentieren wird.
