Die ersten Runden von Roland Garros sind gespielt. Von fünfzehn Deutschen konnten sich drei in die zweite Turnierwoche spielen. Platzgeflüster zieht eine erste Bilanz und prognostiziert die weiteren Chancen.
MARTERER, Maximilian
Der gebürtige Nürnberger ist die deutsche Entdeckung des Turniers. Nachdem der 22-Jährige Marterer in der ersten Runde den US-Amerikaner Ryan Harrison 6:1 6:3 7:5 bezwang, folgte in der zweiten Runde gegen den Next-Gen Star Denis Shapovalov die bisher beste Leistung seiner noch jungen Karriere. Zwar verlor Marterer den ersten Satz, konnte dann aber sein Tennis auf ein höheres Level heben und gewann am Ende verdient 5:7 7:6(4) 7:5 6:4. Auch in der dritten Runde konnte Marterer mit viel Selbstvertrauen und Nervenstärke überzeugen und ließ beim 6:2 6:1 6:4 dem Esten Jürgen Zopp nie eine Chance und zog zum ersten Mal ins Achtelfinale bei einem Grand Slam ein. Zur Belohnung wartet dort nicht nur ein Duell auf einem großen Court mit dem besten Sandplatzspieler aller Zeiten Rafael Nadal, sondern auch der erstmalige Vorstoß in die Top 50 der Weltrangliste.
GOJOWCZYK, Peter
Ganz anders verliefen die diesjährigen French Open für Peter Gojowczyk. Der Münchner mit dem geradlinigen Spiel musste beim Stand von 1:6 0:2 mit einer Hüftverletzung aufgeben. Doch damit nicht genug. Die ITF bestrafte Gojowczyk für seine Aufgabe mit einer Geldstrafe von 25.000€. Sie behauptet, dass Gojowczyk schon vor dem Spiel verletzt gewesen sei und dennoch angetreten ist. Wer „Gojo“ kennt, kann sich das nur schwer vorstellen. Die ITF will verhindern, dass verletzte Spieler wegen des hohen Preisgeldes die erste Runde antreten, dann aber aufgeben müssen. Doch bei diesem Fall bekommt man den Eindruck, dass die ITF hier mit dem Deutschen ein Exempel statuieren möchte, um ein abschreckendes Beispiel zu erzeugen. Gojowczyk selbst hat bereits angekündigt gegen die Entscheidung Berufung einzulegen.
ZVEREV, Alexander
Im Vorfeld der French Open wurde bereits viel darüber spekuliert, wie weit die Reise in diesem Jahr für Alexander Zverev gehen kann. In der ersten Runde gab sich der 21-Jährige keine Blöße und besiegte Ricardas Berankis in einer Stunde und elf Minuten 6:1 6:1 6:2. Danach verdiente sich A.Zverev jedoch die Spitznamen Comeback-Kid und Marathonmann. In Runde Zwei, Drei und Vier war Zverev jeweils 1:2 Sätze im Rückstand und gewann dennoch am Ende mit viel Herz und Kampfgeist in fünf Sätzen. Spielerisch konnte A.Zverev nicht immer sein volles Potenzial abrufen, dafür glänzte er trotz seines jungen Alters mit Ausdauer, Ehrgeiz und Selbstbewusstsein. Zum ersten Mal steht er nun im Viertelfinale eines Grand Slams. Dort trifft er nun auf seinen Freund Dominic Thiem, den er dieses Jahr im Finale von Madrid bereits auf Sand schlagen konnte. Schon jetzt sind die diesjährigen French Open ein Erfolg für den jungen Zverev.
ZVEREV, Mischa
Für den älteren Bruder sind die French Open immer das schwierigste Grand Slam Turnier des Jahres. Auf Sand kann Mischa nicht mit seinem klassischen Serve & Volley Spiel agieren, sondern muss sein Spiel aufgrund des langsamen Belags umstellen. Zwar versucht er längere Ballwechsel zu vermeiden, spielt jedoch meistens von der Grundlinie aus mit druckvollen und platzierten Schlägen. Trotzdem ist es überraschend, dass Mischa sieben Hauptfeldteilnahmen brauchte, um in diesem Jahr erstmals die erste Runde der French Open zu überstehen. In der ersten Runde gewann er überraschend deutlich im deutschen Duell gegen Florian Mayer 6:2 6:1 7:6(3). Danach überzeugte Zverev mit Nervenstärke und konnte auch ein enges Duell gegen den Ukrainer Sergi Stakhovsky 6:3 6:7(0) 7:6 (2) 6:1 für sich entscheiden. In der dritten Runde musste sich M. Zverev dann gegen den letztjährigen US Open Finalist Kevin Anderson geschlagen geben. Der Südafrikaner spielte letztlich zu druckvoll und drängte den Deutschen regelmäßig in die Defensive. Doch auch nach der 1:6 6:7(3) 6:3 7:6(4) Niederlage zeigte sich Mischa mit seiner Leistung zufrieden, weil er ,abgesehen vom ersten Satz, das Match eng gestalten konnte.
STRUFF, Jan-Lennard
Der 28-Jährige Warsteiner startete gut ins Turnier. Im ersten Spiel fegte er den talentierten Russen Jewgeni Donskoy 6:1 6:3 6:0 vom Platz. Auch in der zweiten Runde begann Struff hoffnungsvoll und führte 6:4 3:1 ehe er den zweiten Satz im Tiebreak und am Ende auch das Match 6:4 6:7(5) 2:6 2:6 verlor. Schade, die dritte Runde schien möglich.
PETKOVIC, Andrea
Im letzten Jahr musste Petkovic bereits nach der ersten Runde der French Open die Segel wieder streichen. Dieses Jahr präsentierte sich die Darmstädterin endlich mal wieder in der Form vergangener Tage als sie Top-Ten Spielerin war und 2014 ins Halbfinale der French Open einziehen konnte. In der ersten Runde besiegte Petkovic die Lokalmatadorin Kristina Mladenovic 7:6 (10) 6:2. Ausschlaggebend für ihren Erfolg war ihr gutes Returnspiel. Auch ihr zweites Einzel gewannn Petkovic durch eine konzentrierte Leistung 6:0 7:6(5) gegen die US-Amerikanerin Bethanie Mattek-Sands. Am Samstag kam es dann zur Neuauflage des French Open Halbfinals von 2014. Damals verlor Petkovic 2:6 6:7(4) gegen Simona Halep. Auch diesmal musste sich Petkovic der Nummer 1 der Welt geschlagen geben. Im ersten Satz war es ein Match auf Augenhöhe, doch die Deutsche verlor den Satz am Ende knapp. Danach war für Petkovic die mentale und körperliche Herausforderung zu groß. Beim Stand von 0:2 im zweiten Satz verletzte sich die 30-Jährige zu allem Überfluss am Knie. Hoffentlich kann „Petko“ weiterhin an die guten Leistungen von Paris anknüpfen.
KERBER, Angelique
Die zweifache Grand Slam Gewinnerin tut sich auf der Roten Asche von Paris traditionell schwer. In den letzten beiden Jahren 2016 und 2017 war jeweils in Runde Eins bereits Schluss. Dieses Jahr hat Kerber anfänglich eine gute Auslosung und war in den ersten beiden Runde nur wenig gefordert. Gegen Barthel in Runde Eins gewann Kerber 6:2 6:3. Darauf folgte gegen die Rumänin Bogdan ebenfalls ein 6:2 6:3 Erfolg. In der dritten Runde wartete dann mit Kiki Bertens eine Sandplatzspezialistin, die 2016 Kerber in der ersten Runde besiegte und dann das Halbfinale von Paris erreichte. Von Beginn an überzeugte die Deutsche mit ihrem Kampfgeist und brachte unglaublich viele Bälle immer wieder zurück. Mit dieser Qualität, sowie guter taktischer Ausrichtung, in Form von einigen Stopps auf die Rückhand von Bertens, lies sie diese teilweise verzweifeln. Am Ende siegte Kerber wieder in zwei umkämpften Sätzen 7:6(4) 7:6(4) und steht nun als letzte deutsche Dame im Achtelfinale der French Open 2018. Dort wartet mit der Französin Caroline Garcia eine herausfordernde aber nicht unlösbare Aufgabe auf Kerber. Wenn die 30-Jährige Deutsche an ihre Leistung gegen Bertens anknüpfen kann, ist alles möglich.
GOERGES Julia
Das Losglück war dieses Jahr nicht auf Görges Seite. Direkt in der ersten Runde erwartete sie mit der Slowakin Cibulkova eine echte Herausforderung, die Görges jedoch in drei Sätzen 6:4 5:7 6:0 lösen konnte. In der zweiten Runde traf Görges mit der ehemaligen French Open Viertelfinalistin Van Uytvanck auf die nächste starke Gegnerin. Auch hier behielt Görges trotz eines ausgerenkten Nackenwirbels die Oberhand und siegte 7:5 7:6(5). In der dritten Runde war dann, gegen die nach Babypause wieder auf die große Tennisbühne zurückgekehrten Serena Williams Schluss. Leider konnte Görges über weite Strecken nicht ihr bestes Tennis zeigen, dass sie in dieser Saison bereits in die Top Ten der Weltrangliste beförderte. Am Ende unterlag Görges 3:6 4:6. Für sie wird es nun darum gehen, das Positive aus Paris mitzunehmen und auf Rasen wieder anzugreifen. Dann ist auch ein erneuter Sprung in die Top Ten möglich.
Weitere Herrenergebnisse:
MAYER, Florian:
Aus in der ersten Runde – 2:6 1:6 6:7(3) gegen Mischa Zverev
KOHLSCHREIBER, Philipp
Aus in der ersten Runde – 3:6 6:3 3:6 4:6 gegen Born Coric
OTTE, Oscar
Aus in der ersten Runde – 6:3 5:7 2:6 1:6 gegen Matteo Berrettini
Weitere Damenergebnisse:
BARTHEL, Mona
Aus in der ersten Runde – 2:6 3:6 gegen Angelique Kerber
MARIA, Tatjana
Aus in der ersten Runde – 6:7(1) 4:6 gegen Kirsten Flipkens
WITTHOEFT, Carina
Aus in der ersten Runde – 4:6 2:6 gegen Fiona Ferro
SIEGEMUND, Laura
Aus in der ersten Runde – 4:6 4:6 gegen Coco Vandeweghe
