Angekommen im Grand Slam Universum

Warum das Erreichen des Viertelfinales bei den French Open 2018 für Alexander Zverev ein wichtiger Erfolg war. Ein Kommentar

Es hat nicht sollen sein. Bereits früh im ersten Satz fasste sich Alexander Zverev im Viertelfinale gegen seinen Freund Dominic Thiem an seinen rechten Oberschenkel. Zu diesem Zeitpunkt hätte man erahnen können, dass Zverev an diesem Tag nicht körperlich in der Lage war, um dem Österreicher Thiem Paroli zu bieten. Einen halben Satz lang schaffte es Zverev zwar noch Weltklasse-Tennis zu spielen, doch danach fehlte es ihm an Kraft und Frische. Am Ende verlor Zverev in seinem ersten Viertelfinale bei einem Grand Slam 4:6 2:6 1:6. Doch bereits vor dem Viertelfinale waren die diesjährigen French Open ein Erfolg für den Deutschen.

Denn vor dem Start des diesjährigen Grand Slams in Roland Garros stand stets die Frage im Raum, warum er noch nicht im Grand Slam Universum angekommen war. Bei den übrigen Turnieren konnte Zverev bereits seine Klasse beweisen. Insgesamt acht ATP-Titel hat er mit 21(!) Jahren bereits gewonnen – Drei davon waren Masters-1000 Titel. Von den aktiven Profis haben nur die großen Vier – Federer, Nadal, Djokovic und Murray-  mehr davon gewonnen.

Die Tenniswelt rätselte, weshalb der Nachwuchsstar bisher auf der ganz großen Bühne der Grand Slams noch nicht vollends überzeugen konnte. Liegt es an der Fitness des noch jungen Deutschen, dass er bei Best-of-five Turnieren noch nicht weit kommen konnte? Oder war es die Unerfahrenheit oder doch der Druck auf der ganz großen Bühne die Zverevs Leistungen negativ beeinflussten? Man merkte, dass auch Zverev selbst diese Frage beschäftige, auch wenn er stets versuchte nach außen Gelassenheit auszustrahlen.

Das Auftreten Zverevs auf der Roten Asche von Paris hat neue Erkenntnisse geliefert. In der ersten Runde fertigte Zverev seinen Gegner Ricardas Berankis mühelos in einer Stunde und elf Minuten 6:1 6:1 6:2 ab. Was dann folgte ist eine unglaubliche Geschichte. Im Alter von 21 Jahren hat Zverev es geschafft, dreimal in Folge in fünf Sätzen zu gewinnen. Nicht nur das, er hat sogar jedes Mal einen 1:2 Satzrückstand noch gedreht. Selbstverständlich kann man nun entgegnen, dass Zverev diese Gegner als Nummer 3 der Welt auch besiegen muss und dies ist schließlich auch sein eigener Anspruch. Und ja, Zverev hat bei diesen Erfolg mit Sicherheit nicht sein volles spielerisches Potenzial abgerufen. Trotzdem muss man diese Fünfsatz-Erfolge in besonderem Maße anerkennen. Mit welchem Ehrgeiz, Vertrauen in die eigene Stärke und Ausdauer Zverev in seinem jungen Alter dreimal hintereinander die Matches noch drehte, war beeindruckend. Der Deutsche bewies das Herz eines Champions zu besitzen und präsentierte sich zudem in den spielentscheidenden Situationen nervenstark. Damit hat Zverev gezeigt, dass er die Mentalität eines Champions besitzt. Jetzt geht es für ihn darum sich zu regenerieren und sein Spiel auf das nächste Level zu heben. Ab wann Zverev nach seiner in die Rasensaison einsteigen kann, ist noch ungewiss. Wenn Zverev nun mit seinem Team die richtigen Schlüsse aus diesem erfolgreichen Turnier zieht, ist in der (nahen) Zukunft vieles möglich. Vielleicht ja schon auf dem heiligen Rasen von Wimbledon…

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