In Melbourne hat Roger Federer Tennisgeschichte geschrieben und seinen 18.Grand Slam Titel gewonnen. PLATZGEFLÜSTER hat sich auf die Suche nach den Gründen für Federers Erfolg begeben.
1. Der präzise Aufschlag
Während der gesamten Australian Open war der Aufschlag eines der wichtigsten Tools im Spiel des Schweizers. Auch wenn Federer oft unter 200km/h servierte, erwies sich sein Aufschlag aufgrund der Präzision und Variabilität als äußerst effektiv. Ob als Kickaufschlag oder Slice nach außen, Federers Aufschlag machte seinen Gegnern das Returnieren zu einer schweren Herausforderung. Besonders unter Druck half der Aufschlag dem 35-Jährigen sich immer wieder zu befreien. Wie auch im Finale als Federer zu Beginn des dritten Satzes jeden der drei Breakbälle für Nadal per Ass abwehren konnte.
2. Die „neue“ Rückhand
In der Vergangenheit wurde die einhändige Rückhand oft als die Schwachstelle des „Maestros“ ausgemacht. Zu viele leichte Fehler unterliefen Federer hier und zu oft konnte er sich nur mit einem Slice auf der Rückhandseite behelfen. Bei diesen Australian Open war das anders. Hier wurde die Handschrift des Trainers Ivan Ljubicic, mit dem Federer seit 2016 zusammenarbeitet, erkennbar. Federer agierte äußerst aggressiv mit seiner einhändige Rückhand und nahm die Bälle früh im aufsteigen. Auch beim Return agierte Federer in Melbourne noch aggressiver. Er returnierte die Aufschläge seiner Gegner früh im Feld und konnte dabei auf der Einstandseite immer wieder mit dem Rückhand-Inside-Out Return überzeugen.
3. Schnelle Matches
Vom ersten bis zum letzen Punkt hat Federer in Melbourne aggressives und offensives Tennis zelebriert. Der Schweizer wusste, dass er aufgrund seines gehobenen Alters die Punkte nach Möglichkeit kürzer halten sollte. Jede Möglichkeit auf einen Winner versuchte Federer deshalb zu ergreifen. So konnte sich der 35-Jährige einiges an Quälerei und Zeit auf dem Court ersparen. Zum Vergleich: Auf dem Weg ins Finale haben Federer und Nadal jeweils exakt die gleiche Anzahl an Sätzen (23) gespielt. Dennoch stand Federer insgesamt 5 Stunden weniger auf dem Platz.
4. Die Fitness
Ein halbes Jahr musste die Tenniswelt auf das Comeback von Roger Federer warten. Eine Pause die sich für Federer ausgezahlt hat. Der Schweizer konnte nach Wimbledon 2016 zunächst seine Knieverletzung komplett auskurieren und sich danach so intensiv wie noch nie auf die Saison 2017 vorbereiten. In Melbourne präsentierte sich Federer dann topfit und konnte auf dem Weg zum Titel auch 3 Mal über die volle Distanz von 5 Sätzen gewinnen. Letztmals gelang dies Gaston Gaudio bei den French Open 2004. Abseits der Rod Laver Arena halfen Federer auch seine 4 Kinder, die mit nach Melbourne gereist waren, den Kopf frei zu bekommen und zu entspannen.
5. Mentale Stärke
Fast 5 Jahre musste Federer auf seinen 18. Grand Slam Titel warten. Trotz der langen Wartezeit hatte Federer nie den Glauben an sich selbst verloren. Der Schweizer hat immer daran geglaubt, dass er die Fähigkeiten besitzt, um nochmal bei einem Major erfolgreich zu sein. In Melbourne spielte Federer als selbsternannter Außenseiter befreit auf. In den engen Situationen agierte Federer auffallend mutig und versuchte stets sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Auch im Finale, als der Schweizer im fünften Satz bereits mit 1:3 hinten lag und nur noch die wenigsten an ein Comeback glaubten. Doch Federer behielt die Nerven und drehte die Partie noch zu seinen Gunsten. Bei diesem grandiosen Sieg bleibt auch die Unterstützung aus seinem Umfeld nicht unvergessen. Besonders seine Frau Mirka aber auch Severin Lüthi und Ivan Ljubicic geben von seiner Box aus Rückhalt und Zuversicht.
